Bildhauer Curt Tausch - ein Sohn der Stadt Königsbrück

Vor über 100 Jahren, am 6. September 1899, wurde der Bildhauer Curt Tausch als Sohn des Tischlermeisters Hermann Tausch in Königsbrück geboren. Sein Großvater Karl Tausch soll der letzte Postillion der königlichen - sächsischen Post auf der Strecke Königsbrück - Dresden - Waldhof gewesen sein. Während seiner Schulzeit von 1906 bis 1914 in Königsbrück begann eine langjährige Freundschaft mit seinem damaligen Lehrer Arthur Kießling, den er sehr verehrte. Der Vater von Curt Tausch besaß als Kunst- und Möbeltischler eine begabte Hand. Von ihm mag sein Sohn auch die künstlerischen Fähigkeiten ererbt haben. Und man sollte daher meinen, dass die Pläne des damals Fünfzehnjährigen, Bildhauer zu werden. den Vater begeistern. Aber das Gegenteil war der Fall. Nur der damals in Leipzig wohnende Onkel hatte dafür Verständnis, gewährte ihm Unterkunft und ermöglichte ihm finanziell eine Ausbildung als Gipsbildhauer und Stuckateur. Hier besuchte er gleichzeitig sieben Semester in der Abendschule <Kunstgewerbeschule> bei Professor Stein die Fächer Anatomie, Porträt und figürliche Komposition. Das Ergebnis der Abschlussprüfung war " Sehr gut". Der 1. Weltkrieg tobte, und Curt Tausch wurde 1917 zum Militär ein gezogen und an der Ostfront eingesetzt. Nach dem Krieg verblieb er zunächst als Berufssoldat bis 1929 bei der Reichswehr. Anschließend arbeitete er als Steinbildhauer in Bautzen. Eine Reihe von Grabfiguren schmücken noch heute die Ruhestätten Verstorbener auf dem dortigen Taucherfriedhof. Nach seiner Heirat zog er 1931 nach Dresden. Er arbeitete bei der Post und war nebenbei künstlerisch tätig. Es begannen Jahre fruchtbarer künstlerischer Gestaltung. So schuf er zum Beispiel nach umfangreichen Beobachtungen im Zoo und auf der Renn bahn Dresden-Reick Rennplastiken als Ehrenpreise für die größten Rennvereine Deutschlands: der ,,Große Sachsenpreis" in Dresden, der Jubiläumspreis in Leipzig, der Robert-Gerling-Preis in Köln und Preise für Rennvereine in Dortmund und Baden-Baden. Tierplastiken standen immer mehr im Mittelpunkt seines Schaffens. Die Porzellanmanufaktur Meißen ehrte ihn 1937 mit zwei 1. Staatspreisen für einen Jockey und eine Gruppe Elche. Für die Staatliche Porzellanmanufaktur Berlin gestaltete er aus Anlass des Weltpostkongresses 1942 in Wien eine Ehrengabe, die die völkerverbindende Aufgabe der Post darstellte. Auf Kunstausstellungen in Dresden, Berlin und München zeigte er derzeit Tierplastiken, Akte und ethnologische Plastiken. Von der Reichspostdirektion erhielt er 1939 den Sonderauftrag, für das Reichspostmuseum in Berlin ca. 24 historische Postplastiken aus der Zeit von 1640 - 1880 zu gestalten; die heute Im Postmuseum Frankfurt am Main zusehen sind. Sein weiteres Schaffen wurde durch die Einberufung als Soldat während des 2. Weltkrieges wiederum unterbrochen. Die Kriegserlebnisse des 1.- und 2. Weltkrieges und das erlebte Inferno am 13. Februar l945 in Dresden prägten von nun an seinen künstlerischen Einsatz für eine friedvolle Welt. Eine Vielzahl seiner Originale und Werke, die er bis zu dieser Zeit schuf sind leider bei den Bomben angriffen mit der Zerstörung seines Ateliers im Gebäude der Reichspostdirektion vernichtet worden. 

Nach dem 2. Weltkrieg führte er seine künstlerischen Tätigkeiten in Königsbrück als freischaffender Künstler bis zu seinem Tod 1969 fort. Während vor dem 2. Weltkrieg die Tierplastiken eindeutig im Vordergrund standen, galt der Schwerpunkt seiner Arbeit nun der Menschengestaltung. Mit " Inferno 1945", einem ergreifenden Re lief, begann diese Wandlung schon 1952. Vorangegangen war eine größere Keramikarbeit: Arbeiter am Brennofen. Weitere Werke entstanden anlässlich der 3. Weltfestspiele und für die Weltfriedensbewegung "800 Millionen kämpfen für den Frieden". Vom Aufbauwillen zeugten auch seine Restaurierungsarbeiten im Musiksaal des Oberlichtenauer Schlosses. die Wiederherstellung des Permoserschen Herkules In Elstra und des Matthäusapostel in der Königsbrücker Hauptkirche. Viele Zeugnisse seines Wirkens kann man heute noch sehen, so das Relief an der Schule In Königsbrück " Lernende Jugend ist Reichtum des Volkes", der Töpfer an der Töpferscheibe über dem Hauseingang der Töpferei Frommhold, der rufende Pionier vor der Schule in Panschwitz-Kuckau und in unserer Grundschule, das Mahnmal in Crostwitz zu Ehren der 1245 gefallenen polnischen Soldaten, die Ferkelfrau als Modell, wonach 1993 der Königsbrücker Bildhauer Eberhard Kreische die Skulptur auf dem Ferkelmarkt schuf und als Krönung: die Plastiken des Mahnmals in Königsbrück auf dem Scheibischen Berg. Er sagte: ,,Ich war Teilnehmer des 1.- sowie des 2. Weltkrieges und habe mit meiner Familie den 13. Februar in Dresden miterlebt. Durch die Erinnerung an diese Abschnitte meines Lebens, besonders an das grauenvolle Erlebnis, das unsere Kunststadt Dresden zerstört wurde, sah ich es als eine innere Verpflichtung an, etwas zu gestalten. was Mahnung und Verpflichtung zugleich zum Aus druck bringt." Für das Mahnmal entstanden viele Skizzen, wurden wieder verworfen, neue angefertigt und Vorentwürfe erarbeitet. Sechzehn solcher Entwürfe waren es bis Curt Tausch sich sagt: " Jetzt hat das Werk die gewünschte Aussagekraft." Wie aufgeschlossen viele Bürger seine Vorhaben verfolgten, zeigt die Tatsache, dass Frau Lösche, Herr Wähnert und die kleine Sabine Kubasch viele Stunden Modell standen. Die Arbeiten entstanden nicht im ,,stillen Kämmerlein". Wenn der Künstler wieder einer neuen Gedanken verwirklicht hatte, wandte er sich stets an Bürger um ihre Ansicht zu hören. Aber: Würde die Kraft reichen, dieses Mahnmal als zentrales NAW (Nationales Aufbauwerk )-Projekt zu errichten? Aus dem VEB Granitwerke, dem Steinbruch Frenzel, der Firma Gebrüder Jehnichen gab es Verpflichtungen, im NAW Granitstein für Mauern, Platten und Treppen zu liefern, und die Spedition Reinhardt erklärte sich bereit, die Transporte kostenlos zu übernehmen. Curt Tausch spendete sein Honorar der Stadt Königsbrück. So konnte das Mahnmal am 7. Oktober 1969 feierlich eingeweiht wer den. Leider konnte der Künstler dieses Ereignis nicht mehr miterleben. Er starb am 15. März 1969.

Eine Straße in Königsbrück erhielt 1991 seinen Namen.

Eva Schöpe, geb. Tausch

Einige Werke seines Schaffens